Marketingkonferenz mmmBerlin 2017

Friederike Beckh, Delia Roscher, DEKRA Hochschule für Medien

Trotz Nieselregen in Berlin haben sich gut 100 Teilnehmer zur 3. Medienmarketing Konferenz ins Studio von ALEX BERLIN zusammengefunden. Das Thema ist: „Influencer Marketing“. Also, dass was Bibi und Co machen, denkt man jetzt, aber für etliche Unternehmen ist dies schon viel wichtiger als nur die Verkaufsstrategie für Makeup und Handcreme.

Nach der Begrüßung durch die DEKRA Professoren Dr. Udo Bomnüter und Dr. Michael Beuthner sowie Thorsten Doil vom Marketing Club Berlin beginnt Daniel Horzetzky von BVIM/BRANDKIZZ die Konferenz.

 

 

Besonders die langfristige Zusammenarbeit mit Influencern ist für Matthias Peschel von TERRITORY webguerillas wichtiger als „temporäre Shots“, das haben sie in einem Programm, dass mehrere Jahre lief, herausgearbeitet. Eine Beziehung aufzubauen, Aufgaben zu vergeben und somit ein Profil zu erstellen – so soll die perfekte Zusammenarbeit zwischen den Agenturen und den Influencern aussehen. 78 Prozent der Follower hören auf persönliche Empfehlungen – so die Zahlen in Deutschland. Diese werden aber sicherlich auch auf den weltweiten Markt zutreffen. Insgesamt sollen sich die Branchen auf diejenigen fokussieren, die bereits Fans sind, resümiert Peschel.

Luca Tito von NO SERVICE 24/7 spricht dagegen von den Vorteilen der Microinfluencern im Vergleich zu Macroinfluencern. Dabei sticht vor allem der vermehrte Vertrauensverlust, eine Folge von Zusammenarbeit mit zu vielen verschiedenen Unternehmen heraus. Auch das sogenannte „Over-Endorsement“, also der Celebrity-Status von manchen Influencern mit über 100.000 Followern, wirkt sich negativ auf die Glaubwürdigkeit aus. Microinfluencer dagegen sind nicht nur günstiger, sondern auch für die Bewerbung von Nischenprodukten relevant und dabei besonders authentisch.

LANDAU MEDIA betreiben Monitoring von Print, TV, Hörfunk und Social Media. Beate Kiep und Eike Tölle beobachten, dass 91 Prozent der Millenials Influencern besonders vertrauen. Für Unternehmen ist besonders wichtig, die passenden Influencer für sich zu finden, sonst kommt es vor, dass Zahnpasta völlig deplatziert im Pool beworben wird. Dabei gilt vor allem auch die klassische Tugend der Kommuniktion:“ Was du nicht messen kannst, kannst du nicht managen.“

Während DEKRA-Studentinnen Antonia, Bella und Leonie die Redner in Einzelinterviews nochmals genauer zu ihren Themen befragen, gibt es für die restlichen Teilnehmer die erste Gelegenheit zum Kontakte knüpfen.

Nach der kurzen Pause wird dies noch bei einem Speed Networking Workshop vertieft. Claudio Rimmele organisiert das Speed-Dating von Studenten mit Unternehmern und Agenturen mit Professoren, die sich im Drei-Minuten-Takt Fragen wie „Wenn du ein Rapper wärst, was wäre dein Künstlername?“ stellen und damit für ihr vielleicht zukünftiges Influencer-Leben üben. Die darauffolgende Diskussion zeigt, dass dies zwar eine neue Situation ist, aber Influencer kann jeder sein, der will.

Eine besondere Perle der Zusammenarbeit stellt CURRY 36 mit der Agentur ZEPTER & KRONE dar. Stellvertretend dafür zeigen Mirko Großmann und Marco Jahn die Vorträge und Voraussetzungen für Influencer und Unternehmen am Beispiel ihrer Marketingstrategie für die noch lang nicht ausgestorbene Currywurst in Berlin.

Konrad Lange, ehemaliger Journalismusstudent und jetzt Influencer, vertritt mit seinem Fotografie-Blog eine gelungene Symbiose zwischen professionellem Blogging und Markenvertretung. Außerdem zeigt er auf, dass auch aus Sicht eines Influencers die Wahl eines zu bewerbenden Produkts für sein Image und seiner Ausstrahlung durchaus entscheidend ist.

Schlussendlich blicken die Redner in der Podiumsdiskussion mit Dr. Tong-Jin Smith auf die Themen der Konferenz zurück und wagen einen Ausblick auf die Zukunft des Influencer-Marketings. Die Impressionen sind durchweg positiv. Besonders die nachhaltige und professionelle Betrachtung des Themas wird als wichtig angesehen und gelobt. Die Frage „Was kommt nach Instagram?“ zeigt, das Rezeptionsverhalten wird sich grundsätzlich ändern und es teilweise schon getan: Die Berichterstattung durch Privatpersonen überholt die der klassischen Medienmachern. Livevideos ersetzen das Fernsehen und übertragen den Content in die digitale Welt. Die Veränderungen der Medienlandschaft müssen authentischer und transparenter sein, sodass der Rezipient erkennt, was Werbung ist und was redaktioneller Inhalt.

Ein wichtiger Appell von Claudio Rimmele zum Schluss: Das Handy ist keine Bibel.